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Dolby-Pro-Logic
Was vielen deutschen Filmfans als jüngste Errungenschaft der Unterhaltungs
elektronik erscheint entstand in Wahrheit zu der Zeit als Hosen unten
Technisch allerdings hat sich seit dem Start der Illusionsakustik wenig geändert. Beide Systeme, daß für Zelluloidproduktionen und das für heimische Rundsitzgruppen, gehören zur Sparte der Vierkanaltonverfahren, deren Informationen in nur zwei Tonspuren verschlüsselt (codiert) sind. Kernstück der Codierungskette ist der sogenannte Matrix-Encoder. Er vollbringt das Kunststück, vier Informationssignale dort unterzubringen, wo bislang nur zwei hinaufpaßten - auf die Tonspuren des Films oder auf die der Videokassette. Sein Trick: Er fügt dem linken und dem rechten Tonkanal einfach die Centersignale zu gleichen Teilen hinzu, senkt sie aber im Pegel um drei Dezibel ab. In diese beiden Tonspuren verpackt der Encoder auch die Surroundsignale, bearbeitet sie zuvor aber doppelt: Den Pegel der Effektsignale dämpft der Encoder gleichfalls um 3 dB, dreht aber zusätzlich ihre Phase um plus/minus 90 Grad. Durch diese 4 - in - 2 - Verschachtelung ist Dolby-Sound voll Stereo-kompatibel. Das geordnete Durcheinander auf den Tonspuren gilt es zur raumfüllenden Wiedergabe wieder auseinanderzudröseln. Das übernimmt der Surrounddecoder. Er entschlüsselt die codierten Signale und spielt sie den einzelnen Boxen des Surroundsystems zu. Was dabei im einzelnen passiert, zeigt die Grafik unten. Wenn die Toningenieure während der Codierung sorgfältig gearbeitet haben, kommt nach der Decodierung selbst dann ein wenig Raumgefühl auf, wenn im Wohnzimmer noch keine Surroundanlage steht. Denn die Centersignale kommen aus der akustischen Mitte zwischen den TV-Lautsprechern. Durch diese sogenannte Phantom-Ortung verbessert sich die Sprachverständlichkeit ein wenig. Die Effektsignale schließlich verteilen sich durch die phasengedrehte Aufzeichnung diffus im Raum.
Mit seinem Mehrkanalsystem löste Dolby denn auch ein grundsätzliches
Problem der Kinobeschallung - wovon Surroundfans im Wohnzimmer heute ebenfalls
profitieren: Gäbe man den Filmton nur über zwei Lautsprecher wieder
- so wie Musik mit der HiFi - Anlage - gäbe es im großen Kino
nur wenige Sitzplätze mit optimaler Klangqualität - in der Mitte
zwischen den Boxen. Alle anderen Zuschauer hörten entweder den linken
oder rechten Lautsprecher deutlicher - je nachdem, welchem sie näher
sitzen. Die Lösung: Dolby plazierte zwischen die Stereoboxen hinter
der Leinwand eine dritte, den Mitten - oder
In der guten Stube des Videofans darf der Lautsprecherpark von bescheidenerem Zuschnitt sein. Schon zwei Surroundboxen reichen, um im Verein mit den drei Lautsprechern vorne - scheinbar - die vier Wände wegzupusten. Der ProLogic Decoder:
Falls obige Erklärungen ( die in der Box ) zur Funktionsweise eines Dolby ProLogic De/Encoders zu kompliziert war, nochmal eine leicht vereinfachte Version um die Hintergründe und das Prinzip besser zu verstehen: Dolby Surround transportiert vier Tonkanäle - links, Mitte, rechts, Surround - auf nur zwei Tonspuren. Die arbeitsweise des ProLogic-Decoders - nur er reproduziert die vier Kanäle mit derselben aufwendigen Technik wie die Decoder im Lichtspielhaus - läßt sich einfach verstehen, wenn man weiß, wie der Encoder im Studio bei der Filmtonmischung die Signale zusammenpackt. Ziemlich simpel ist es bei der linken und rechten Tonspur: Ihre Klänge wandern, absolut unverändert, auf die linke und rechte Film-(oder Video-)Tonspur. Sie sind im folgenden mit Lt oder Rt bezeichnet - das ,,t" steht für total, also die Summe der Signale. Spielt man eine Videokassette mit Dolby-Surround Ton nur über eine Stereoanlage ab, bleiben die L/R-Informationen erhalten: Links ertönt aus der linken Rox, Rechts aus der rechten. Das Signal für den Mittenkanal wird zu gleichen Teilen auf Lt und Rt gepackt, im Prinzip ebenfalls unverändert, aber in der Lautstärke um drei Dezibel (dB) reduziert. Das hat schon seine Richtigkeit: Hört man den Centeranteil der Lt/Rt-Mischung über eine Stereoanlage an, fällt das Centersignal - wie gewünscht - in die akustische Mitte zwischen beiden Boxen. Es muß drei dB leiser auf Lt und Rt gespeichert werden, denn die Lautstärke beider Kanäle addiert sich ja bei der Wiedergabe. Ohne die drei dB Absenkung bei der Encodierung würde der Center den linken und rechten Kanal übertönen.
Aus demselben Grund wird auch der Surroundkanal um drei dB leiser auf
Lt und
Phasengedrehte Signale lassen sich besonders einfach erkennen und ausfiltern, was der Decoder bei der Wiedergabe auch ausnützt. Genauso wichtig ist aber, was der Phasendreher für die Wiedergabe in Stereo bedeutet: Wie natürliche Raumanteile in einer Stereoaufnahme verteilen sich auch die Surroundanteile einer Dolby-Surround-Mischung diffus und sind nicht zu orten. Der ProLogic -Decoder muß diese Melange trennen. Besonders das Verhältnis von Centersignal zu linkem und rechtem ist knifflig: Ohne Tricks würde sich linker oder rechter Kanal vom Center nur um die drei dB unterscheiden. Für eine klare Ortung braucht man aber eine ,,Übersprechdämpfung", so der Fachbegriff, von mindestens 30 dB. Im Decoder ist dies der Job der ,,adaptiven Matrix", des Herzstücks. Sie erkennt die vorherrschende Richtung im Lt/Rt-Signalgemisch und steuert die Lautstärke aller Kanäle entsprechend. Die gerade unbeschäftigten Kanäle werden nicht einfach heruntergeregelt - störende Pumpgeräusche wären die Folge. Statt dessen wird beispielsweise ein invertiertes Abbild des Center in rechten und linken Kanal geschickt, wenn nur der Center spielen soll. Dadurch löschen sie Übersprecher aus - ohne Lautstärkeschwankungen. Entwickler Dolby nennt dies das ,,Prinzip der konstanten Gesamtlautstärke". |